Ein Mann arbeitet an großen, abstrakten Gemälden auf dem Boden eines Ateliers mit weißem Dach und Dachfenstern, das viel Tageslicht hat. Er trägt schwarze Hosen und ein weißes T-Shirt. Im Hintergrund sind verschiedene Kunstwerke und Materialien sichtbar.

Temporäres begehbares Bodengemälde

Siebenbrunnenplatz · Wien · 2026

Dieses temporäre Bodenbild erweitert meine künstlerische Praxis von der Leinwand in den öffentlichen Raum. Während meine Arbeiten normalerweise in Ausstellungen oder Galerien gezeigt werden, begegnet man dieser Arbeit im Alltag, auf einem Platz, den Menschen täglich durchqueren, nutzen und erleben.

Im Zentrum meiner Arbeit stehen Bewegung, Veränderung und Wahrnehmung. Figuren, Formen und Farbräume überlagern sich, tauchen auf und verschwinden wieder. Je nach Blickwinkel und Betrachtungsdauer entstehen neue Zusammenhänge. Was zunächst abstrakt erscheint, kann plötzlich gegenständlich wirken, bevor es sich wieder auflöst.

Das Bodenbild folgt demselben Ansatz. Es lädt dazu ein, eigene Entdeckungen zu machen und den vertrauten Ort für einen Moment mit anderen Augen zu betrachten.

Indem die Arbeit direkt auf dem Boden entsteht, wird sie Teil des städtischen Lebens. Menschen begegnen ihr zufällig, bewegen sich durch sie hindurch oder betrachten sie aus der Distanz. Dadurch wird nicht nur das Bild selbst, sondern auch der öffentliche Raum zu einem Ort der Begegnung und des Austauschs.

29. Mai – 25. Juni 2026

In einem künstlerischen Spannungsfeld zwischen konkret-abstrakter Malerei und fragil-anthropomorpher Skulptur aufgewachsen, entwickelt Jacob Mattes früh einen eigenen, nicht bändigbaren Schöpfungswillen. Geleitet von dieser großelterlichen Sensibilisierung, wird die Figur in seinem Œuvre – eine permanenten Oszillieren innerhalb der Malerei – zur Protagonistin. Und tritt darin stellenweise deutlicher, mal subtiler in Erscheinung. In einem intimen Malprozess schafft er zunächst die von sanfter Palette und lasurartigem Farbauftrag ausgehende Grundlage seiner flächigen, malerischen Kompositionen. Mit fortschreitender Genese weicht die einstige Intuition der Kontrolle: Virtuos durchbricht er – gesteuert von tiefer Emotion und der grundlegenden Malerei – die sich dynamisch eröffnende, luftige Bildwelt mittels starker Linie und kontrastreicher Kontur. Die Arbeit entwickelt ihr Narrativ, das anregt, ohne vorzugeben. Die Figur seziert er dazu in ihre Einzelteile. Er abstrahiert, bis letztlich nicht mehr als Rudimente vorhanden bleiben. Dabei löst sich Mattes gänzlich vom Anspruch des konkreten Abbilds seiner im Kopf entstehenden Protagonisten, von deren Proportionalität und damit von den Grundlagen seiner anfänglichen Aktzeichnungen – er entfremdet bewusst. Es sind physiognomische Details, die sich abzeichnen. Ebenso wie Hände und Füße, die Betrachtenden aus einer anderen Welt entgegentragen. Eine Welt, die es lohnt, erkundet zu werden.

– Patrick Schuster