Temporäres Rasengemälde
Mistral · Schloss Leopoldskron · Salzburg · 2026
Mit „Mistral“ verlässt meine Malerei die Leinwand und wird Teil eines Ortes. Das temporäre Rasengemälde entstand im Innenhof von Schloss Leopoldskron auf einer Fläche von rund 270 m².
Ausgangspunkt der Arbeit ist der Wind – ein Motiv, das sich durch meine künstlerische Praxis zieht. Mich interessiert dabei etwas, das sich nicht festhalten lässt: Bewegung, Veränderung und das Flüchtige eines Moments. Linien, Figuren und Farbräume überlagern sich, lösen sich auf und bewegen sich über die Fläche.
In Leopoldskron erhält dieser Gedanke eine besondere Bedeutung. Seit Jahrzehnten kommen hier Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Bereichen zusammen, tauschen Ideen aus und entwickeln neue Perspektiven. Der Wind wird dabei zum Sinnbild für die Gedanken und Gespräche, die an diesem Ort entstehen und hinaus in die Welt getragen werden.
Wie der Wind selbst ist auch das Gemälde vergänglich. Sonne, Regen, Wachstum und die Menschen, die sich durch die Arbeit bewegen, verändern sie fortlaufend. Besucher betrachten das Werk nicht nur, sondern bewegen sich durch das Bild und werden selbst Teil davon.
August 2026
Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit Salzburg Global.
Temporäres Bodengemälde
Siebenbrunnenplatz · Wien · 2026
Dieses temporäre Bodenbild erweitert meine künstlerische Praxis von der Leinwand in den öffentlichen Raum. Während meine Arbeiten normalerweise in Ausstellungen oder Galerien gezeigt werden, begegnet man dieser Arbeit im Alltag, auf einem Platz, den Menschen täglich durchqueren, nutzen und erleben.
Im Zentrum meiner Arbeit stehen Bewegung, Veränderung und Wahrnehmung. Figuren, Formen und Farbräume überlagern sich, tauchen auf und verschwinden wieder. Je nach Blickwinkel und Betrachtungsdauer entstehen neue Zusammenhänge. Was zunächst abstrakt erscheint, kann plötzlich gegenständlich wirken, bevor es sich wieder auflöst.
Das Bodenbild folgt demselben Ansatz. Es lädt dazu ein, eigene Entdeckungen zu machen und den vertrauten Ort für einen Moment mit anderen Augen zu betrachten.
Indem die Arbeit direkt auf dem Boden entsteht, wird sie Teil des städtischen Lebens. Menschen begegnen ihr zufällig, bewegen sich durch sie hindurch oder betrachten sie aus der Distanz. Dadurch wird nicht nur das Bild selbst, sondern auch der öffentliche Raum zu einem Ort der Begegnung und des Austauschs.
Mai - Juni 2026
Das Projekt wurde mit Unterstützung der Bezirksvorstehung Margareten und der Stadt Wien realisiert.
In einem künstlerischen Spannungsfeld zwischen konkret-abstrakter Malerei und fragil-anthropomorpher Skulptur aufgewachsen, entwickelt Jacob Mattes früh einen eigenen, nicht bändigbaren Schöpfungswillen. Geleitet von dieser großelterlichen Sensibilisierung, wird die Figur in seinem Œuvre – eine permanenten Oszillieren innerhalb der Malerei – zur Protagonistin. Und tritt darin stellenweise deutlicher, mal subtiler in Erscheinung. In einem intimen Malprozess schafft er zunächst die von sanfter Palette und lasurartigem Farbauftrag ausgehende Grundlage seiner flächigen, malerischen Kompositionen. Mit fortschreitender Genese weicht die einstige Intuition der Kontrolle: Virtuos durchbricht er – gesteuert von tiefer Emotion und der grundlegenden Malerei – die sich dynamisch eröffnende, luftige Bildwelt mittels starker Linie und kontrastreicher Kontur. Die Arbeit entwickelt ihr Narrativ, das anregt, ohne vorzugeben. Die Figur seziert er dazu in ihre Einzelteile. Er abstrahiert, bis letztlich nicht mehr als Rudimente vorhanden bleiben. Dabei löst sich Mattes gänzlich vom Anspruch des konkreten Abbilds seiner im Kopf entstehenden Protagonisten, von deren Proportionalität und damit von den Grundlagen seiner anfänglichen Aktzeichnungen – er entfremdet bewusst. Es sind physiognomische Details, die sich abzeichnen. Ebenso wie Hände und Füße, die Betrachtenden aus einer anderen Welt entgegentragen. Eine Welt, die es lohnt, erkundet zu werden.
– Patrick Schuster